Dienstag, 31. Juli 2012

Buchkritik: Andreas Eschbach, Herr aller Dinge

Eine Welt ohne Geld


Andreas Eschbach schrieb den Roman "Herr aller Dinge" um bahnbrechende Erfindungen


Hiroshi und Charlotte leben in Tokyo. Er ist Japaner, seine Mutter arbeitet als Wäscherin
neben der Botschaft, während Charlotte die Tochter eines französischen Botschafters ist und
in einer prachtvollen Villa resisdiert. Zwei Welten prallen aufeinander - Arm auf Reich.
Andreas Eschbach beschreibt die Szenerie mit den Augen von Kindern, die die beiden
noch sind. Als auch noch Charlottes Gabe, die Geschichte von Dingen erfühlen zu können,
hinzukommt, ist die Verwirrung perfekt. Der Leser ist sich plötzlich nicht mehr sicher,
einen Fantasy-Roman für Jugendliche in den Händen zu halten. Doch weit gefehlt. Der
Schluss wäre voreilig getroffen. Hiroshi lernt seinen wohlhabenden, kranken Vater kennen,
der ihm als US-Amerikaner ein Studium am MIT (Massachusettes Institute of Technology)
ermöglichen will. von da an entwickelt sich der üppige Roman zu einem Studenten-Road-Movie
mit Sex, dekadenten Söhnen reicher Eltern, wolllüstigen und verliebten Professoren sowie
wissenschaftlichen Erfindungen. Hiroshi ist von Robotern begeistert, sie sollten die Arbeit
von Menschen ersetzen. Jeder sollte tun und lassen können, was er will und reich sein.
Sein größtes Glück jedoch ist es, auf Charlotte wiederzutreffen. Siie wird nicht unsympathisch
gezeichnet, doch ihr Verlobter James sehr wohl. Es stammt aus einem sehr vermögenden
Elternhaus, betrügt und belügt sie und legt sich aus Eifersucht mit Hiroshi an. Der Halbjapaner
Hiroshi hat alles, waseine Figur sympathsich macht. Er hat Schwächen, ist wenig an Geld
interessiert, nimmt die Liebe sehr ernst, hat Anstand und möchte die Welt verbessern. Ihm
schwebt ein Dasein ohne Geld vor, mit Wohlstand für jedermann. Die Ungleichheit, die
ihn in seiner Kindheit geprägt hat, verfolgt ihn als Erwachsenen. Roboter sollen die Lösung
sein, das fiel ihm bereits als Zehnjährigen ein. Ausgerechnet US-Amerikaner versucht
Hiroshi davon zu überzeugen. Doch die CIA ist ihm und seiner Erfindung auf den Fersen.
Es ist ein intelligenter, mächtiger Roman um neue Technologien, Automatisierungen,
um mehr Gleichheit und um die Liebe zweier Menschen aus unterschiedlichen Kulturen
und sozialen Strukturen. Der Autor wurde in Ulm geboren, studierte Luft- und Raumfahrttechnik
und war als Softwareentwickler tätig. Heute lebt Andreas Eschbach als freier Autor in der
Bretagne. Einen Namen machte er sich mit dem Thriller "Das Jesus Video". Mit "Ein König
für Deutschland" gelang ihm 2009 der endgültige Durchbruch als angesehener
Schriftsteller. Einige der Bücher gibt es auch als Audio-Books.
(c) Corinna S. Heyn


Andreas Eschbach,
Herr aller Dinge.
687 Seiten
Gebunden.
Gustav Lübbe Verlag 2011

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