Donnerstag, 23. August 2012

Buchkritik: John Verdon, Die Handschrift des Todes

Ein Poet foppt die Polizei


Thriller der Extraklasse von John Verdon - großartiges Debüt von Kollegen hochgelobt


David Guerney war Chefermittler beim New York Police Department. Eigentlich
genießt er seinen Ruhestand mti seiner Frau Madeleine. Die Ehe der beiden wirkt
sehr angestrengt, fragil und gleichzeitig dennoch beständig wie ein Strom. Oder
ein Seiltanz, bloß in kein Fettnäpfchen zu treten. Die beiden mussten seinerzeit
ihren kleinen Sohn zu Grabe tragen, als dieser vier Jahre alt war. Das flackert
immer wieder auf und macht aus dem Thriller von John Verdon mehr als eine
reine Kriminalstory. Der Autor, der als Sohn irischer Einwanderer  in New York
City geboren wurde, studierte Journalistik und war als Werbetexter tätig. Mit
53 Jahren änderte er sein Leben mit dem Design von Kirschholzmöbeln. Und
er begann zu schreiben. "Die Handschrift des Todes" zog in den USA bereits
große Aufmerksamkeit - auch unter namhaften Schriftstellern wie John Katzbach
oder Tess Gerritsen - auf sich. Mark Mellery ist ein alter Studienfreund von
David Guerney, der ihm als Spürnase in einem prekären Fall helfen soll. Ein
Unbekannter droht mit Gedichten, verlangt Geld in Form von Schecks und
ruft sogar an. Mit heiserer Stimme. Von Rache ist die Rede, aber auch von
mysteriösen Zahlen, die der Kriminelle präzise vorhersagen kann. Mellery
will nicht zur Polizei gehen. Sie erscheint ihm nicht kompetent genug. Mit
seiner Frau führt der stets perfekt gekleidete Gentleman ein Insititut zur
Selbstfindung. Das Vermögen besitzt seine Frau. , die er vor Dave Guerney
 zunächst verschweigt. Eines Nachts wird Mark Mellery getötet. Ein dumpfer
Knall ist zu hören. Es finden sich Spuren im Schnee, die auf einmal im Wald
enden, Zigarettenkippfen ohne DNA sowie eine Verhöhnung der Polizei.
Der Autor weiß ganz genau, wie er einen unsichtbaren, suggestiven Sog
erzeugt, der einen in den Bann zieht. Die Charaktere sind vielschichtig
herausgearbeitet, auch die der Ermittler, die ohne die Hilfe des pensionierten
Polizisten offensichtlich nicht auskommen. Für 75 Dollar die Stunde stößt
der Ex-Cop zum Team. Guerney überrascht mit intelligenten, schlauen
Denkansätzen, die auch von seiner Frau Madeleine stammen. 541 Seiten
Spannung sind garantiert. Ein glänzendes Debüt für einen aufstrebenden
Thrillerautoren.
(c) Corinna S. Heyn


John Verdon,
Die Handschrift des Todes.
Aus dem Amerikanischen von Friedrich Mader.
Wilhelm Heyne Verlag 2012
PB
Preis: 9,99 Euro
www.heyne.de

Dienstag, 31. Juli 2012

Buchkritik: Andreas Eschbach, Herr aller Dinge

Eine Welt ohne Geld


Andreas Eschbach schrieb den Roman "Herr aller Dinge" um bahnbrechende Erfindungen


Hiroshi und Charlotte leben in Tokyo. Er ist Japaner, seine Mutter arbeitet als Wäscherin
neben der Botschaft, während Charlotte die Tochter eines französischen Botschafters ist und
in einer prachtvollen Villa resisdiert. Zwei Welten prallen aufeinander - Arm auf Reich.
Andreas Eschbach beschreibt die Szenerie mit den Augen von Kindern, die die beiden
noch sind. Als auch noch Charlottes Gabe, die Geschichte von Dingen erfühlen zu können,
hinzukommt, ist die Verwirrung perfekt. Der Leser ist sich plötzlich nicht mehr sicher,
einen Fantasy-Roman für Jugendliche in den Händen zu halten. Doch weit gefehlt. Der
Schluss wäre voreilig getroffen. Hiroshi lernt seinen wohlhabenden, kranken Vater kennen,
der ihm als US-Amerikaner ein Studium am MIT (Massachusettes Institute of Technology)
ermöglichen will. von da an entwickelt sich der üppige Roman zu einem Studenten-Road-Movie
mit Sex, dekadenten Söhnen reicher Eltern, wolllüstigen und verliebten Professoren sowie
wissenschaftlichen Erfindungen. Hiroshi ist von Robotern begeistert, sie sollten die Arbeit
von Menschen ersetzen. Jeder sollte tun und lassen können, was er will und reich sein.
Sein größtes Glück jedoch ist es, auf Charlotte wiederzutreffen. Siie wird nicht unsympathisch
gezeichnet, doch ihr Verlobter James sehr wohl. Es stammt aus einem sehr vermögenden
Elternhaus, betrügt und belügt sie und legt sich aus Eifersucht mit Hiroshi an. Der Halbjapaner
Hiroshi hat alles, waseine Figur sympathsich macht. Er hat Schwächen, ist wenig an Geld
interessiert, nimmt die Liebe sehr ernst, hat Anstand und möchte die Welt verbessern. Ihm
schwebt ein Dasein ohne Geld vor, mit Wohlstand für jedermann. Die Ungleichheit, die
ihn in seiner Kindheit geprägt hat, verfolgt ihn als Erwachsenen. Roboter sollen die Lösung
sein, das fiel ihm bereits als Zehnjährigen ein. Ausgerechnet US-Amerikaner versucht
Hiroshi davon zu überzeugen. Doch die CIA ist ihm und seiner Erfindung auf den Fersen.
Es ist ein intelligenter, mächtiger Roman um neue Technologien, Automatisierungen,
um mehr Gleichheit und um die Liebe zweier Menschen aus unterschiedlichen Kulturen
und sozialen Strukturen. Der Autor wurde in Ulm geboren, studierte Luft- und Raumfahrttechnik
und war als Softwareentwickler tätig. Heute lebt Andreas Eschbach als freier Autor in der
Bretagne. Einen Namen machte er sich mit dem Thriller "Das Jesus Video". Mit "Ein König
für Deutschland" gelang ihm 2009 der endgültige Durchbruch als angesehener
Schriftsteller. Einige der Bücher gibt es auch als Audio-Books.
(c) Corinna S. Heyn


Andreas Eschbach,
Herr aller Dinge.
687 Seiten
Gebunden.
Gustav Lübbe Verlag 2011

Freitag, 29. Juni 2012

Buchkritik: Chris Morgan Jones, Der Lockvogel

Russland als Januskopf

Chris Morgan Jones schrieb mit "Der Lockvogel" einen hervorragenden Thriller

Chris Morgan Jones debütierte mit seinem ersten Trhiller mit vollem Erfolg.
Die englische Originalausgabe wurde von "The Times" und "Publishers Weekly"
hochgelobt. Tatsächlich weiß der Autor, wowon der schreibt. Er arbeitete
elf Jahre für eine der weltweit größten Unternehmensberatungen mit Kunden
aus New York, London und auch Oligarchen aus Russland.
In seinem Thriller geht es um kriminelle Transaktionen des stillen Oligarchen
Konstantin Malin, den der britische Ex-Journalist Ben Webster entlarven will.
Um an ihn heranzukommen, nützt ihm Richard Lock. Dieser ist ein Strohmann
des Oligarchen. Lock ist mit Marina verheiratet. Sie ist Anwältin und Malins
Patenkind. Der Oligarch fädelte diese Ehe ein, aus der die kleine Tochter
Vika hervorging. Aber Lock hat auch eine Geliebte namens Oksana, die
schön und klug ist. Sie arbeitet an ihrer Dissertation. Als Webster mit Dmitri
Gerstman in Berlin Kontakt aufnimmt, um Informationen aus ihm herauszubekommen,
wird er kurz danach in Budapest tot aufgefunden. Angeblich ist es Selbstmord.
Die Dekadenz der neureichen Russen, die ihren kleinen Kindern absurde
Geschenke wie Sportwägen oder Krokodile machen, wird sehr pointiert
geschildert. Auch wie gefährlich Enthüllungen über Ungerechtikeiten sein können.
Eine Kollegin von Webster, die investigative Journalistin Inessa Kirova musste
sterben, weil sie über Korruptionen, Schmuggel und Arbeitsstreiks geschrieben hatte.
Chris Morgan Jones verleiht seinen Figuren ein Gesicht. Lock und Webster besitzen
ein Familienleben, sind Familienväter. Das macht sie menschlich und sympathisch.
Lock wird mit jeder Zeile über sein Leben verletzlicher, obwohl er für den
skrupellosen Oligarchen Malin agiert. Aus Rivalen werden Freunde. Webster
hingegen will zusätzlich wissen, warum Dmitri Gerstman sterben musste und es ihm
in die Schuhe geschoben werden soll.
Der Erstling von Chris Morgan Jones überzeugt sprachlich und inhaltlich auf ganzer
Linie. Der Inhalt ist von politischer Brisanz eines neuen Russlands mit zwei Gesichtern.
(c) Corinna S. Heyn

Chris Morgan Jones,
Der Lockvogel.
Trhiller.
Deutsche Übersetzung von Christoph und Karola Bausum.
448 Seiten.
Wilhelm Heyne Verlag 2012.
Preis: 12,99 Euro
http://www.heyne.de/

Sonntag, 10. Juni 2012

Buchkritik: Monika Dettwiler, Nordwestbrise


Starke Frauen und kriegerische Männer

Monika Dettwiler schrieb einen Roman aus dem Mittelaler mit
historischen Wahrheiten

Schon Monika Dettwiler's erstes Buch "Berner Lauffeuer"
schaffte es 1998 auf die Schweizer Bestsellerliste. Die
studierte Historikerin und Archäologin beleuchtete darin
das 19. Jahrhundert. Jetzt wagte sich die Autorin an
einen regionalen Stoff aus dem frühen Mittelalter. Im
8. Jahrhundert spielt der Roman um die hübsche, junge
Utina, die während der Zeit der Kriege zwischen Alemannen
und Franken lebt und mit ihrem Vater Otpert sowie Gesinde
aus Arbon fliehen muss. Es gelingt der Verfasserin sehr gut,
historische Begebenheiten mit lebendigen Fiktionen zu
vermischen. Gleichzeitig bringt die Historikerin ein Stück
Geschichte nächer, indem sie die Nahrungsgewohnheiten,
die Gewänder, die Behausungen beschreibt. Otpert und Utina
werden von Otmar, dem Abt des Klosters St. Gallen, lievevoll
aufgenommen. Im Kloster, das vorausblickend wirtschaftet und
Vorräte anlegt, hungert niemand. Im Gegenteil, es wird den
Armen und Fremden geholfen. Abt Otmar gab es tatsächlich.
Er lebte von 689 bis 759 und wurde 864 vom Abt von Konstanz heilig
gesprochen, nachdem er böswilligst angeklagt und verurteilt
worden war. Man hatte ihm vorgeworfen, eine Frau vergewaltigt
zu haben. Das Synodialgericht in Konstanz klagte ihn an. Treue
Mönche standen ihm bei und brachten ihn zur Insel Werd bei
Stein am Rhein. Dort starb er. Doch zurück zum Roman. Utina
verliebt sich ausgerechnet in den verfeindeten Franken Hugo.
Er will sie heiraten, entgegen jeder Widerstände. Um dem
Konflikt zu entgehen, geht die junge Alemannin zunächst zu
Beata (sie gab es auch in der Realität) in deren Kloster am
Zürichsee. Sie ist reich, bestitzt viele Ländereien und hat
einen Sohn namens Lantbert. Der hat ebenfalls ein Auge auf
Utina geworfen. Es gibt etliche Verwicklungen, Kriege und
auf einmal einen neuen König namens Childerich, der über die
Franken, Alemannen und Bayern herrscht. Töchter wurden vom
Vater verheiratet. Reisen per Pferd und Esel waren sehr
beschwerlich. Das Vieh lebte bei den einfachen Menschen in
deren Häusern, Ställe gab es noch nicht. Monika Dettwiler
recherchierte für ihren Roman in einigen Quellen, unter
anderem in den St. Galler Klostergeschichten, dem Urkundenbuch
der Abtei St. Gallen, der Schrift: Die Gründung des Klosters
Luzern sowie in der Lex Alemannorum, dem Alemannischen Gesetz
von 730. Es ist ein sehr behutsam, mit Bedacht geschriebener
Roman um die Stellung der Frauen und der kriegerischen Männer
im frühen Mittelalter, aus einer längst vergangenen Zeit, aus
der wir hervorgegangen sind. Ein spannendes Buch mit
Geschichtskolorit für alle, die Geschichte lieben.
(c) Corinna S. Heyn

Monika Dettwiler,
Nordwestbrise.
Historischer Roman.
Appenzeller Verlag 2012.
Preis: 38 Sfr.
www.appenzellerverlag.ch

Samstag, 26. Mai 2012



Rasant wie ein James-Bond-Movie

Christopher Reich: Geblendet

Schauplatz des Thrillers ist Arosa in der Schweiz.
Jonathan und Emma fahren abseits der Pisten Ski bis
das Paar in ein Unwetter gerät. Emma verfehlt eine Kurve und bricht
sich ein Bein. Ihr Mann lässt sie alleine, um Hilfe
zu holen. Als er mit der Bergungsmannschaft zurückkommt,
ist seine Frau nicht mehr da sondern in eine Felsspalte
gestürzt. Soweit der schon turbulente Anfang des Thrillers.
Doch Jonathan erhält einen Brief an Emma mit zwei ominösen
Gepäckscheinen. In Landquart holt er mit Simone, einer
Freundin seiner Frau, eine Ledertasche und eine Schachtel
ab. Noch bevor er in diese Gepäckstücke hineinsehen kann,
wollen ihm zwei Männer diese entreißen. Simone und Jonathan
gelingt die Flucht. Zurück bleibt ein toter Polizist und
die verdutzte Kantonspolizei in Graubünden. Als Jonathan
die Tasche durchsucht, gerät er in Unglauben. Hunderttausend
Schweizer Franken, daneben ein gefälschter Ausweis  mit
dem Foto seiner Frau mit grellroten Lippen und extrem
teurer Schmuck kommen zum Vorschein. Sie führte ein Doppelleben.
Jonathan nimmt die Spurensuche auf. Er gibt sich als Schweizer
Polizist Oskar Studer aus, dessen Polizeiausweis er in Besitz
genommen hat. Dazwischen mischen sich Szenen eines Profikillers,
der Testflug mit einer Drohne, Terror und die CIA. Jeder scheint
hier jeden zu jagen, nur manche wie ein Profikiller sind schneller.
Die SChweiz als Kulisse für einen Thriller mit Toten und Gewalt,
ist gewagt. Der Autor Christopher Reich schreibt: "Mordfälle
waren in Zürich nicht gerade an der Tagesordnung und kamen auch
sonst in der Schweiz selten vor." Es ist ein schwindelerregender
Thriller um Ärzte ohne Grenzen ein Doppelleben und zeigt die
friedliebende Schweiz einmal in Bond-Manier und als Schauplatz
des Weltwirtschaftsgipfels in Davos.
(c) Corinna S. Heyn

Christopher Reichs,
Geblendet.
Thriller.
Aus dem Englischen von Damaris Brandhorst.
Bastei Lübbe 2010.
Paperback
www.luebbe.de

Samstag, 19. Mai 2012

Schocker mit Intellekt: Grangé, Im Wald der stummen Schreie



Die Blutspur führt nach Nicaragua

Buchkritik: Jean-Christophe Grangé mixt Grauen mit wissenschaftlich-politischer
Brisanz

Mehrere junge Frauen werden besitalisch ermordet
und zugerichtet. Die präzisen Schilderungen der
grauenhaft zerstückelten Leichen lassen einem
übel werden. Aber es lohnt sich, ins Herz des
Thrillers vorzudringen. Im Verlauf der Ermittlungen
durch die Untersuchungsrichterin Jeanne Korowa in
Paris gibt es einiges an wissenschaftlicher Kost
für Intellektuelle. Grangé hat sehr ausführlich
über Autismus recherchiert, ferner über prähistorische
Wandmalereien, die diversen Steinzeitmenschen und über
die Genetik. Jeanne Korowa, die Antidepressiva wie
Gummibärchen schluckt, verwanzt aus persönlichen
Gründen die Praxis von Antoine Féraud, dem Psychoanalytiker
ihres Ex-Freundes Thomas und stößt dabei auf den
potientiellen Mörder der Frauen. Alle sind üppig
gebaut, jung. Eine von ihnen erschuf mit ihren Händen
gruselige Skulpturen. Selbst Bezüge zu realen Morden
greift Frankreichs Superstar unter den Thriller-Autoren
auf. Den Fall Dutroux oder den des Kannibalen von Rothenburg
kennt der gebildete Autor ebenso wie die Kunst von Klimt
oder die Schriften Sigmund Freuds. Auch lateinische Zitate
sind eingestreut. Die Kulisse eines flirrend-heißen
Sommers in Paris, wo die Story über weite Teile spielt,
verlässt die Untersuchungsrichterin schon bald Richtung
Nicaragua. Dort wurden Fäden nach Paris gesponnen - es
geht um Blut. Genauer gesagt um Blutkonserven und Blutbanken.
40 Jahre Diktatur und 300 Jahre amerikanische Ausbeutung
liegen hinter Nicaragua sowie ein Geschäft mit Blutkonserven.
Der Exil-Kubaner Eduardo Manzarena wurde dadurch reich,
dass er die USA mit dem Blut von armen Bauern versorgte
und damit Geld machte. "Solche Geschichten waren nur in den
unterdrückten Regionen der Welt möglich. Dort, wo das Elend
Menschen zu allem zwang.", schreibt Grangé. Er wird damit
unvermittelt zum Rächer der Unterdrückten. Der Verfasser
verpackt seine Intention, schmutzige Geschäfte anzuprangern
in einen Thriller, der zu Beginn wegen der Grausamkeiten
kaum auszuhalten ist. Doch bei genauem Hinsehen scheint
es ein Kunstgriff zu sein, mit dem er für Nervenkitzel
bei vielen Leserschichten sorgt und dann politisch-intellektuell
wird. In der Gestalt der Jeanne Kurowa, die als große Rothaarige
wohl eine Art Jeanne d'Arc symbolisieren soll. Eduardo Manzarena
wird ebenfalls abgeschlachtet. Jeanne Kurowa ist die Erste am
Tatort. Ihre Methoden sind des öfteren unorthodox, aber genau
das erhöht die Spannung. Grangé lässt einem das Blut in den
Adern gefrieren.
(c) Corinna S. Heyn


Jean-Christophe Grangé,
Im Wald der stummen Schreie.
Aus dem Französischen von
Thorsten Schmidt.
Lübbe Ehrenwirth 2011.
Hardcover
www.luebbe.de

Donnerstag, 3. Mai 2012


Finnisch-russisches Roulette

Matti Rönkä fesselt grandios mit "Zeit des Verrats"


Ein roter Stern mit Hammer und Sichel ziert den
neuesten Finnland-Krimi von Matti Rönkä. Viktor Kärppä
ist eigentlich gebürtiger Russe, lebt aber in Finnland
mit seiner Lebensgefährtin Marja und zwei Kindern. Die
kleine Anna ist ein gemeinsames Kind, Erkki ein
angenommenes aus Russland. Während Marja sich um ihr
eigenes Altenpflegeheim kümmert, reist Viktor zwischen
Moskau und Finnland hin und her. Er ist in mehr oder
weniger dubiose Geschäfte der Russen verwickelt. Er
kauft unter anderem Grundstücke in Finnland, um sie an
russische Investoren zu verhökern. Ab und an dolmetscht
er auch - sogar für die Produktion von Pornofilmen.
Viktor Kärppä kennt sowohl russische Geschäftsleute
als auch die finnische Polizei. Teppo Korhonen ist ein
Beinahe-Freund der Helsinkier Polizei. Eines Tages
bittet ihn Arseni Kasimirow alias Wronski um einen
Gefallen. "In die Politik mische ich mich nicht ein",
wehrt Viktor zunächst ab. Doch die junge, attraktive
Russin Julija vernebelt ihm die Sinne. Er reist nach
Russland. Koljukow, Wronski, Bekari und Julija gehen
in die Sauna. Fast lautlos gleitet der Hauptakteur
in die Gefahrenzone ab. Als er nach einem Autokauf
eine Art Bombe in seinem neuen Wagen entdeckt, gerät
er ins Schleudern. Doch er spricht sich selber Mut zu.
Und auf einmal wird für ihn sogar seine Partnerin Marja
verdächtig. Er lässt sie beschatten. Es ist nicht nur
der Stoff um geheimnisvolle Machenschaften in Russland
und Finnland, sondern die Erzählkunst des Autors, der
einen damit fesselt. Seine genaue Beobachtungsgabe
für Menschen, deren Seelenpein, aber auch für die
verschiedenen Landschaften und die Eigenheiten der
beiden Länder fasst er in wohlüberlegte Sätze mit
wohltuenden Metaphern. Matti Rönkä ist Chefredakteur
und Nachrichtensprecher beim Finnischen Fernsehen.
Er lebt in Helsinki mit Frau und drei Kindern und
wurde mehrfach mit Krimipreisen ausgezeichnet.
Es ist der dritte Krimi aus der finnischen Reihe.
(c) Corinna S. Heyn


Matti Rönkä,
Zeit des Verrats.
Finnland-Krimi.
Aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara.
Lübbe PB 2012.
Preis: 14,99 Euro
www.luebbe.de